Pilates Franzi – Coaching Hofmann

Was ist Pilates? Die Methode in verständlich

Pilates wird gerade wieder als Trend verkauft. Dabei ist die Methode über hundert Jahre alt, und was sie tatsächlich ist, geht in Studiowerbung und Social Media meist unter. Dieser Text erklärt, worum es wirklich geht – und was Pilates nicht leisten kann.
Franzi HofmannFranzi HofmannLizenzierte Pilates-Trainerin, Bonn
7. September 2026 9 Min. Lesezeit Geprüft von Franzi Hofmann
Aufgerollte Pilates-Matte, Pilates-Ring und Decke auf hellem Holzboden in einem Studio – KI-generiertes SymbolbildKI-Bild
Inhalt dieses Artikels
  1. 1.Was ist Pilates?
  2. 2.Woher kommt Pilates?
  3. 3.Was sind die sechs Pilates-Prinzipien?
  4. 4.Was bringt Pilates wirklich?
  5. 5.Kann man mit Pilates abnehmen?
  6. 6.Wie oft sollte man Pilates machen?
  7. 7.Für wen ist Pilates geeignet?
  8. 8.Wie fängt man an?

Was ist Pilates?

Pilates ist ein Ganzkörper-Trainingssystem, das die tief liegende Rumpfmuskulatur stärkt und Bewegungen bewusst kontrolliert statt schnell ausführt. Trainiert werden vor allem Haltung, Rumpfstabilität, Beweglichkeit und Körperwahrnehmung. Charakteristisch sind wenige, präzise Wiederholungen, eine bewusst geführte Atmung und die Vorstellung, dass jede Bewegung aus der Körpermitte kommt.

Was Pilates von den meisten Fitnessformaten unterscheidet, ist die Richtung des Trainings. Es geht nicht darum, äußere Muskeln größer zu machen, sondern die Muskulatur zu erreichen, die im Alltag unbewusst arbeitet: die tiefe Bauch- und Rückenmuskulatur, den Beckenboden, die kleinen Stabilisatoren entlang der Wirbelsäule. Diese Muskeln lassen sich nicht mit Schwung trainieren – nur mit Langsamkeit.

Praktisch heißt das: In einer Pilates-Stunde wird selten gezählt und nie gehetzt. Eine Übung besteht oft aus fünf bis zehn Wiederholungen, und die anspruchsvollste Arbeit passiert in der Rückbewegung, die die meisten anderen Sportarten einfach fallen lassen.

Woher kommt Pilates?

Pilates geht auf Joseph Hubertus Pilates zurück, geboren 1883 in Mönchengladbach, gestorben 1967 in New York. Er nannte seine Methode nicht nach sich selbst, sondern Contrology – die Lehre der Kontrolle. Der Name Pilates setzte sich erst nach seinem Tod durch.

Während des Ersten Weltkriegs wurde er als deutscher Staatsbürger in England interniert und arbeitete dort mit bettlägerigen Mitgefangenen. Die verbreitete Erzählung, er habe dafür Federn von Krankenbetten zweckentfremdet, ist der Ursprung der späteren Pilates-Geräte – der Reformer arbeitet bis heute mit genau diesem Prinzip. 1926 wanderte er nach New York aus und eröffnete ein Studio, das schnell vor allem von Tänzerinnen und Tänzern genutzt wurde.

Dass Pilates lange als Tanz- und Reha-Training galt und erst in den letzten Jahrzehnten im Breitensport ankam, erklärt einiges: Die Methode ist nicht als Fitnesstrend entstanden, sondern als Werkzeug, um Menschen wieder in Bewegung zu bringen.

Was sind die sechs Pilates-Prinzipien?

Die sechs Prinzipien wurden nicht von Joseph Pilates selbst als Liste formuliert, sondern später aus seiner Arbeit abgeleitet. Sie beschreiben trotzdem präzise, was eine Pilates-Stunde von Gymnastik unterscheidet – und sie sind der Grund, warum die Methode auch ohne Geräte funktioniert.

1

Konzentration

Jede Bewegung wird bewusst ausgeführt. Pilates funktioniert nicht nebenbei – wer während der Übung an die Einkaufsliste denkt, trainiert nicht dieselbe Muskulatur.

2

Kontrolle

Keine Bewegung entsteht aus Schwung. Du führst sie und du bremst sie. Genau darin liegt der Trainingsreiz, nicht in der Wiederholungszahl.

3

Zentrierung

Jede Bewegung beginnt in der Körpermitte – der tiefen Bauch-, Rücken- und Beckenbodenmuskulatur. Joseph Pilates nannte sie das Powerhouse.

4

Präzision

Eine sauber ausgeführte Wiederholung ist mehr wert als zehn ungenaue. Deshalb sind Pilates-Serien kurz und die Korrekturen häufig.

5

Atmung

Die Atmung wird an die Bewegung gekoppelt statt angehalten. Das stabilisiert den Rumpf und ist für viele der schwerste Teil am Anfang.

6

Fluss

Die Übungen gehen ineinander über. Aus einzelnen Bewegungen wird eine zusammenhängende Sequenz – das schult Koordination und Ausdauer der Tiefenmuskulatur.

Was bringt Pilates wirklich?

Am besten belegt sind Verbesserungen bei Rumpfkraft, Beweglichkeit, Gleichgewicht und Haltung. Bei chronischen Rückenschmerzen gilt Pilates als wirksam – allerdings zeigt die Forschung auch, dass es anderen Formen von Bewegungstherapie nicht überlegen ist. Der entscheidende Faktor ist Regelmäßigkeit, nicht die Methode.

Das ist eine unspektakuläre Aussage, aber eine ehrliche. Wer eine Bewegungsform sucht, die er über Jahre durchhält, hat mit Pilates gute Karten: Es ist gelenkschonend, lässt sich in jedem Alter beginnen und wird nicht langweilig, weil die Anforderung mit dem Können mitwächst.

Was Pilates gut kann

  • Rumpf- und Tiefenmuskulatur kräftigen
  • Haltung im Alltag verbessern
  • Beweglichkeit und Gleichgewicht steigern
  • Körperwahrnehmung schulen
  • Chronische Rückenbeschwerden lindern
  • Beckenboden gezielt ansteuern

Wofür es nicht gemacht ist

  • Schnelle Gewichtsabnahme
  • Ausdauertraining für Herz und Kreislauf
  • Maximalkraft und Muskelaufbau in Größe
  • Ersatz für ärztliche Behandlung

Kann man mit Pilates abnehmen?

Nicht direkt. Der Kalorienverbrauch einer Pilates-Einheit liegt deutlich unter dem von Laufen oder Radfahren, und Gewichtsabnahme entsteht über die Energiebilanz. Wer Pilates macht und sonst nichts ändert, wird auf der Waage wenig sehen.

Was Pilates dagegen tut: Es baut Muskulatur auf, verbessert die Haltung und schärft das Gefühl für den eigenen Körper. Viele berichten, dass sich der Körper verändert anfühlt und aussieht, obwohl das Gewicht gleich bleibt – und dass die regelmäßige Bewegung andere Entscheidungen leichter macht. Als Ergänzung zu Ausdauertraining und einer Ernährungsumstellung ist es sinnvoll. Als alleiniges Abnehmprogramm nicht.

Wie oft sollte man Pilates machen?

Einmal pro Woche reicht, um Haltung, Körperwahrnehmung und Rumpfstabilität spürbar zu verbessern. Zweimal pro Woche beschleunigt den Fortschritt deutlich. Entscheidender als die Frequenz ist allerdings die Kontinuität: Zehn Wochen am Stück einmal wöchentlich bringen mehr als vier intensive Wochen und dann drei Monate Pause.

Joseph Pilates wird der Satz zugeschrieben: „In zehn Stunden fühlst du den Unterschied, in zwanzig siehst du ihn, in dreißig hast du einen neuen Körper." Ob er das genau so gesagt hat, ist nicht sicher belegt – die Größenordnung stimmt aber mit dem überein, was sich in der Praxis beobachten lässt. Deshalb sind Pilates-Kurse üblicherweise als Block über mehrere Wochen organisiert und nicht als offene Einzelstunden.

Für wen ist Pilates geeignet?

Für fast alle. Weil jede Übung in Anspruch und Umfang angepasst werden kann, arbeiten in einer Gruppe Menschen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen nebeneinander – vom sportlichen Zwanzigjährigen bis zur Achtzigjährigen nach langer Pause. Vorkenntnisse braucht es nicht, eine besondere Grundfitness auch nicht.

Besonders sinnvoll ist Pilates bei sitzender Tätigkeit, nach längerer Sportpause, bei wiederkehrenden Rückenbeschwerden und rund um Schwangerschaft und Geburt – in den beiden letzten Fällen allerdings in angepasster Form und nicht im normalen Kurs.

Vorsicht ist geboten bei akuten Verletzungen, frischen Operationen, unbehandelten Bandscheibenvorfällen und akuten Entzündungen. Hier gehört die Freigabe zuerst zur Ärztin oder zum Arzt – eine gute Trainerin fragt danach, bevor der Kurs beginnt.

Wie fängt man an?

Mit einem Kurs, in dem jemand hinschaut. Pilates lebt von Präzision, und Präzision lässt sich am Anfang nicht aus einem Video lernen – die typischen Ausweichbewegungen spürt man selbst nicht, man sieht sie nur von außen. Deshalb ist die Gruppengröße das wichtigste Auswahlkriterium für einen Einsteigerkurs, wichtiger als Ausstattung oder Preis.

In der Colmantstraße 47 in der Bonner Weststadt laufen Kurse in Blöcken mit maximal 14 Teilnehmerinnen. Wenn du wissen willst, wie ein Einstieg konkret aussieht, steht das auf der Seite Pilates für Anfänger. Und falls du dich fragst, ob es lieber ein Gerät sein sollte: Reformer oder Matte beantwortet genau das.

Bonn Weststadt · Colmantstr. 47

Lieber ausprobieren als weiterlesen?

Die Kurse laufen als Block über mehrere Wochen, in kleinen Gruppen und mit persönlicher Korrektur. Matten und Kleingeräte sind vor Ort – du brauchst nur bequeme Kleidung und Socken.

Kurse und Termine ansehen

Keine Mitgliedschaft, kein Abo. Ein Block, ein Preis – und danach entscheidest du neu.

Häufige Fragen zu Pilates

Was ist Pilates in einem Satz?

Pilates ist ein Ganzkörper-Trainingssystem, das die tief liegende Rumpfmuskulatur stärkt und Bewegungen bewusst kontrolliert statt schnell ausführt. Es verbessert vor allem Haltung, Rumpfkraft, Beweglichkeit und Körperwahrnehmung – und wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von Joseph Pilates entwickelt.

Was bringt eine Stunde Pilates pro Woche?

Eine Einheit pro Woche reicht aus, um Haltung, Körperwahrnehmung und Rumpfstabilität spürbar zu verbessern – die meisten Teilnehmerinnen berichten nach drei bis vier Einheiten von Veränderungen im Alltag. Für sichtbare Kraftzuwächse ist zweimal wöchentlich deutlich wirksamer.

Kann man mit Pilates abnehmen?

Nicht direkt. Der Kalorienverbrauch einer Pilates-Einheit ist moderat, Gewichtsabnahme entsteht über die Energiebilanz. Pilates unterstützt indirekt: Es baut Muskulatur auf, verbessert die Haltung und macht Lust auf Bewegung. Wer abnehmen will, kombiniert es sinnvollerweise mit Ausdauertraining und Ernährungsumstellung.

Ist Pilates anstrengend?

Ja, aber anders als erwartet. Es gibt kein Springen und kein Schwitzen bis zur Erschöpfung, dafür halten und kontrollierte Bewegung in Bereichen, die im Alltag kaum angesteuert werden. Viele Einsteigerinnen sind überrascht, wie fordernd langsame Übungen sein können.

Ist Pilates dasselbe wie Yoga?

Nein. Yoga stammt aus einer jahrtausendealten spirituellen Tradition und arbeitet stark mit gehaltenen Positionen. Pilates ist ein rund hundert Jahre altes Bewegungssystem ohne weltanschaulichen Überbau, mit Fokus auf Rumpfkraft und kontrollierte Bewegungsabläufe. Überschneidungen gibt es bei Atmung und Körperwahrnehmung.

Ab wann spürt man die Wirkung von Pilates?

Eine verbesserte Körperwahrnehmung stellt sich bei den meisten nach drei bis vier Einheiten ein. Veränderungen in Haltung und Kraft, die auch anderen auffallen, brauchen typischerweise sechs bis acht Wochen regelmäßiger Praxis – also etwa einen kompletten Kursblock.

Für wen ist Pilates nicht geeignet?

Bei akuten Verletzungen, frischen Operationen, unbehandelten Bandscheibenvorfällen oder akuten Entzündungen gehört die Freigabe zuerst zur Ärztin. In der Schwangerschaft und nach der Geburt ist Pilates grundsätzlich gut geeignet, aber nur in angepasster Form – nicht im normalen Kurs.

Franzi Hofmann – Lizenzierte Pilates-Trainerin in Bonn

Geschrieben von

Franzi Hofmann

Lizenzierte Pilates-Trainerin, systemischer Coach und Gesundheitsberaterin. Unterrichtet seit über zehn Jahren Matten-Pilates in kleinen Gruppen – seit mehreren Jahren in der Bonner Weststadt.

Mehr über Franzi