Was ist der Unterschied zwischen Reformer- und Matten-Pilates?
Matten-Pilates arbeitet mit dem eigenen Körpergewicht gegen die Schwerkraft. Reformer-Pilates arbeitet auf einem Schlitten, dessen Federn Widerstand geben oder Gewicht abnehmen können. Die Übungen und die zugrunde liegenden Prinzipien sind weitgehend dieselben – unterschiedlich ist, wie viel Arbeit dir das Gerät abnimmt.
Beides geht auf dieselbe Person zurück. Joseph Pilates entwickelte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowohl das Mattenprogramm als auch die Geräte, darunter den Reformer. Die Vorstellung, der Reformer sei eine moderne Weiterentwicklung der Matte, stimmt historisch nicht: Beide gehörten von Anfang an zusammen. Er nutzte die Geräte, um Menschen an Bewegungen heranzuführen, die sie frei noch nicht ausführen konnten.
Was kann der Reformer, was die Matte nicht kann?
Der Reformer kann Bewegungen unterstützen. Eine Feder trägt einen Teil deines Gewichts, sodass du eine Übung ausführen kannst, für die deine Kraft allein noch nicht reicht. Genau das ist sein eigentlicher Wert – nicht die höhere Intensität, mit der oft geworben wird.
Das macht ihn stark, wenn Beweglichkeit oder Kraft deutlich eingeschränkt sind: nach Operationen, bei akuten Beschwerden, in der Rehabilitation, bei ausgeprägten Bewegungsängsten. Wo auf der Matte gar nichts geht, geht am Gerät oft doch etwas.
Der zweite Vorteil ist die Rückmeldung. Der Schlitten läuft nur sauber, wenn du sauber arbeitest. Wer ausweicht, merkt das sofort – auf der Matte braucht es dafür ein aufmerksames Auge von außen.
Was kann die Matte, was der Reformer nicht kann?
Auf der Matte gibt es nichts, das dich hält. Du musst deine Position selbst herstellen und selbst halten – und genau diese Fähigkeit brauchst du im Alltag. Beim Heben einer Kiste, beim Tragen eines Kindes, beim langen Sitzen steht dir keine Feder zur Verfügung.
Dazu kommt die Unabhängigkeit. Was du auf der Matte gelernt hast, kannst du im Hotelzimmer, im Wohnzimmer und im Park wiederholen. Reformer-Training bindet dich an ein Gerät und damit an ein Studio und meist an eine laufende Mitgliedschaft.
Und praktisch: Ein Mattenkurs ist nicht durch die Zahl der Geräte begrenzt, sondern nur durch die Raumgröße. Das klingt nach einem Nachteil für die Gruppengröße – ist aber eine Frage der Entscheidung des Anbieters, nicht des Formats.
Die Unterschiede auf einen Blick
| Matte | Reformer | |
|---|---|---|
| Widerstand kommt von | dem eigenen Körpergewicht | Federn, ein- und ausblendbar |
| Bewegung wird geführt | ||
| Übertragbar in den Alltag | ||
| Zuhause weiterüben | ||
| Hilfreich bei stark eingeschränkter Beweglichkeit | ||
| Von der Krankenkasse bezuschussbar | ||
| Ohne laufende Mitgliedschaft buchbar | ||
| Gruppengröße durch Geräte begrenzt |
Ist Reformer-Pilates effektiver?
Für die Behauptung, eine der beiden Formen sei der anderen grundsätzlich überlegen, gibt es keine belastbare Grundlage. Was in beiden Fällen den Ausschlag gibt, ist banaler und unbequemer: Regelmäßigkeit, saubere Ausführung und eine Trainerin, die hinschaut und korrigiert.
Wer zweimal im Monat an den Reformer geht, macht weniger Fortschritte als jemand, der wöchentlich auf der Matte arbeitet. Die Frage nach dem effektiveren Gerät ist deshalb fast immer die falsche Frage. Die richtige lautet: Welches Format halte ich über einen Kursblock hinweg tatsächlich durch?
Was kostet Reformer-Pilates im Vergleich?
Reformer-Training ist teurer in der Bereitstellung, weil jedes Gerät mehrere tausend Euro kostet und Platz braucht. In Bonn verlangt ein Reformer-Studio derzeit ab 21 Euro für die Einzelstunde. Mit Zehnerkarte sinkt der Preis auf rund 17 Euro, mit Monatsmitgliedschaft auf etwa 14 Euro pro Einheit (Stand: September 2026).
Damit liegt Reformer preislich näher an einem Mattenkurs, als viele erwarten – aber der niedrige Preis pro Einheit gilt nur mit laufender Mitgliedschaft. Ein Kursblock wie bei Pilates Franzi kostet 150 Euro für zehn Termine, also 15 Euro pro Einheit, und endet danach. Es gibt nichts zu kündigen.
Ein Punkt, der oft übersehen wird: Bezuschusst werden von den Krankenkassen nur Präventionskurse, die nach Paragraf 20 SGB V zertifiziert sind – und zertifizierbar sind praktisch ausschließlich gerätefreie Formate. Reformer-Training fällt grundsätzlich nicht darunter. Ob ein konkreter Mattenkurs zertifiziert ist, muss man beim jeweiligen Anbieter erfragen; die Kurse bei Pilates Franzi sind es derzeit nicht.
Womit solltest du anfangen?
Wenn du körperlich nicht eingeschränkt bist, spricht viel dafür, mit der Matte anzufangen. Du lernst dort, die Bewegung selbst zu erzeugen und zu kontrollieren – und verstehst am Gerät später besser, was du tust. Umgekehrt ist der Weg schwerer: Wer die Führung des Reformers gewohnt ist, muss auf der Matte einiges nachholen.
Matte passt, wenn du …
- Grundlagen und Körpergefühl aufbauen willst
- ohne Mitgliedschaft trainieren möchtest
- auch zuhause weiterüben willst
- Wert auf persönliche Korrektur legst
- einen Kassenzuschuss anstrebst
Reformer passt, wenn du …
- stark eingeschränkt beweglich bist
- nach OP oder Verletzung wieder einsteigst
- mit ärztlicher Begleitung rehabilitierst
- sofortige Rückmeldung vom Gerät brauchst
- gern regelmäßig ins Studio gehst
Und in Bonn?
Bonn hat inzwischen mehrere Reformer-Studios, überwiegend in der Innenstadt und rund um den Bonner Talweg. Wer gezielt ans Gerät möchte, findet dort gute Angebote – und dieser Text soll niemanden davon abhalten.
In der Colmantstraße 47 in der Weststadt wird ausschließlich Matten-Pilates unterrichtet, in Blockkursen mit maximal 14 Teilnehmerinnen und Kleingeräten als Ergänzung. Wer Grundlagen aufbauen, verstehen will, was der eigene Körper tut, und dabei tatsächlich gesehen und korrigiert werden möchte, ist hier richtig.
Erst verstehen, dann entscheiden
Wenn du Grundlagen aufbauen und dabei tatsächlich gesehen und korrigiert werden willst, ist ein Mattenkurs der richtige Start. Kleine Gruppen, Blockkurse, Matten und Kleingeräte vor Ort.
Kurse und Termine ansehenUnd falls es am Ende doch der Reformer wird: auch gut. Hauptsache, du bewegst dich.




